Elternabend

In dieser BDSM Geschichte reflektiert eine Sklavin das unfreiwillige ComingOut vor ihrer erwachsenen Tochter.

Meine Tochter wohnt 500 km weg von mir: sollte das nicht eigentlich reichen, ein entspanntes Subbileben zu führen? So eine Wohnung mit deutlichen Hinweisen auf Obsessionen zu haben? Bis heute war ich gut darin, meine Wohnung und mich dann vanillamäßig sein zu lassen, wenn es angeraten war. Glaubte ich jedenfalls.

Aber gerade spaziert meine Tochter, immerhin schon stolze 28, durch mein Schlafzimmer.

Ich bin unaufmerksam. Zu unaufmerksam. Immer noch etwas irritiert über den unangemeldeten Besuch beschäftigen mich und sie das schlichte Thema, Handtücher fürs Bad zu holen. Ein Aufschrei. Ich verschlucke mich am Weißwein.

Anklagend steht sie in der Tür und hält Handschellen hoch. “Mutti!

Verzweifelt versuche ich mich möglichst schnell intelligent diesem unangemeldeten Angriff zu stellen.
Da es bereits das zweite Glas Wein war, kann ich nicht so schnell einordnen, ob sie die Billigmarke der Handschellen empört oder die Tatsache der Anwesenheit von diesen an sich. Schlagartig werde ich nüchtern. Mist! Es liegt alles, wirklich alles herum! Der Schweiß läuft mir den Rücken hinunter. Die Sammlung an Gerten und Rohrstöcken! Die Bücher. Die mindestens 20 Ausgaben der Schlagzeilen!

Kann sich nicht mal so eben die Erde auftun?

Mutti? Was ist das? Macht Ihr etwas SääääM?

Ich bin Spießerin. Bekennende. Ich hatte es bisher für ausreichend gehalten, meine Tochter den Unterschied zwischen Bienen und Blumen zu erklären und den nicht uninteressanten Rest dem Bildungssystem, der Zeit und ihrer eigenen Erfahrung zu überlassen. Still darauf vertrauend, dass meine Tochter sich in die Ahnenreihe rothaariger Frauen würdig einzureihen verstand.

Ich war mir durchaus bewusst, dass Töchter und Söhne in vielen Familien fest daran glauben, dass ihre Eltern in den Mittvierzigern niemals Sex haben. Schon gar nicht so schmutzigen! So mit Haue und so. Ich bin gut darin, möglichst dämlich in Mutter/Tochter Sexgesprächen zu wirken. Ich will meiner Tochter nicht erzählen, dass ich darauf stehe, zu knien.

Bei Peitschenhieben zu kommen. Dinge zu tun, wo brave Bürger einen gefälligst in die Psychiatrie einzuweisen zu haben. Sie soll ruhig glauben, dass ich nur wegen der Witwenrente oder meinem Gesprächsbedarf an der Sinnhaftigkeit von Seidenmalerei-Kursen mir einen Neuen gesucht habe. Oder von mir aus wegen dem Weltfrieden und so.

Du schlägst Ihn?” Oh, ich hätte sie beinahe vergessen. Na bravo, holt mich doch sogar bei ihr mein Hauptproblem ein. Nur weil ich, zugegeben gut bezahlt, mindestens 20 überstudierte Mitarbeiter täglich im Büro umherscheuche, bin ich nicht dominant. Nein!
Ich setze meinen blondesten Blick auf. Unauffällig schiebe ich Woschofius neuestes Buch dabei unter den Nachttisch. An Leander Sukows „Dezemberkind“ komme ich nicht ran. Blöd. Nicht, dass zu dem ganzem Dilemma noch Politik hin zu kommt. Wollte ihn eh über Ebay verscherbeln, aber es gab zu wenig dafür.

Nein. Ich wollte nur mal was ausprobieren.” Ich wirke so überzeugend blöd, dass ich mir fast selbst glaube.

Mutti!” Diese sächsische rührende Anrede einer ehemals Erziehungsberechtigten lässt mich aufhorchen.
Mutti, Du hättest bei Vati bleiben sollen. Dann wäre das alles nicht passiert. Du wärst noch zu Hause und nicht hier.

Mühsam versuche ich das zu tun, was Männer tun, um den vorzeitigen Samenerguss hinauszuzögern: ich will im Kopf komplizierte Rechnungen lösen. Bei mir geht es logischerweise nicht ums Abspritzen, sondern ums Lachen. Mist, mein Mathe. So grottenschlecht, Ich zähle Eisbären. Hilft auch nicht. Das Lachen steigt in mir hoch wie Brausepulver.

Meine Tochter sieht mich zweifelnd an. Endlich, jetzt habe ich es geschafft. Ich sehe dämlich und hilflos aus. Drücke sie: “Du hast ja so was von Recht.” Gott sei Dank.
Und dann tragen wir gemeinsam die Handtücher ins Bad.

a.n.n.a.

P.S. Ich darf nicht vergessen, den Woschofius wieder unter dem Nachttisch hervor zu holen. Sonst staubt er mir noch ein.


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