Femelle (ein Drehbuch) – Szene 3

FADE FROM BLACK:

Ein Titel wird eingeblendet:

KAPITEL 1: DER VERTRAG

FADE OUT

3.1.1    INT – WOHNZIMMER – DAS KENNENLERNEN
Wir sehen eine gemütliche Wohnzimmerszene. Flavia und Damian sitzen da. Chris ist auch hier. Er brachte Céline zu ihnen und nun lernen sie sich kennen. Céline ist noch immer schmutzig und ohne Schuhe.

Flavia und Damian haben ein leichtes Lächeln auf den Lippen.

3.1.2        INT – BADEZIMMER – REINIGUNG
(Langsame Musik setzt ein.)

Wir stehen nun in einem unverputzten, recht schmutzigen Raum. Es könnte zu einer Garage oder einem Keller gehören.

Céline zieht sich langsam und etwas verlegen nackt aus. Flavia stellt eine Blechschüssel auf ein Podest und gießt aus einer rustikalen Blechkaraffe Wasser ein.

                           CÉLINE (OFF)
“Sie hatten mir zuerst das ganze Haus gezeigt. Ihr Badezimmer besaß vergoldete Jugendstil-Armaturen. Es gab dort ein Bidet und Bademäntel von Bruno Banani. Der Spiegel war ein Einzelstück von René LeVar und die Parfums waren von Kenzo und Bulgari. Sie zeigten mir das alles, um mir zu demonstrieren, dass es von nun an nichts mit mir zu tun hatte.”

3.1.3        INT – WOHNZIMMER – CHRIS und DAMIAN
Chris und Damian sitzen im Wohnzimmer und nippen an ihren Drinks.

                           CHRIS
“Ich halte ja nicht viel von Seelenklemptnern und da dachte ich, ich bringe sie zu euch.”

                           DAMIAN
“Wir werden sofort mit unserer Fürsorge beginnen. Du hältst uns denn legislativen Kram vom Hals?”

                           CHRIS
“Ich tue, was ich kann. Sorgt dafür, dass die Sache nicht entartet.”

Chris leert das Glas und stellt es ab. Dann steht er auf. Damian tut es ihm gleich. Die beiden schütteln sich die Hand.

                           DAMIAN
Schau bei der nächsten Party vorbei…”

3.1.4        INT – BADEZIMMER – REINIGUNG
Flavia nimmt einen Schwamm in die Hand und taucht ihn in das Wasser. Dann beginnt sie damit, Célines Körper zu reinigen.

                           CÉLINE (OFF)
“Es kam mir vor, als ob mit dem Schmutz auch mein altes Leben abgewaschen wurde.”

3.1.5        INT – WOHNZIMMER – PERSÖNLICHES
Wir sehen Damian an seinem Arbeitstisch. Er nimmt verschiedene Gegenstände aus einem Karton.

Ein Pass geht durch seine Hände, ein Stapel Kontoauszüge, ein Schlüsselbund. Er mustert eine kleine Schachtel, die voller Photos ist. Eine Lohnsteuerkarte und Kreditkarten werden von ihm geprüft.

                           CÉLINE (OFF)
“Sie hatten alles, das mich beschrieb, das mich identifizierte einbehalten. Sie besaßen meinen Pass, meine Dokumente, mein Geld. Mein Mobiltelefon, meine Briefe, meine intimsten Gegenstände.”

Damian nimmt aus dem Karton auch eine Packung Tampons heraus. Dann einige Binden und Slipeinlagen. Ein Stapel Briefe, zusammengebunden mit einem flachen Stoffband. Ein Mobiltelefon.

                           CÉLINE (OFF)
“Sie sagten mir, sie hätten veranlasst, dass mir meine Post nachgeschickt wird. Aber ich verstand, dass sie meine Briefe zwar lesen werden, doch kaum an mich weitergeben.”

Damian öffnet die Schublade und lässt das Handy dort verschwinden. Dann nimmt er die Tampons, die Binden und die Briefe und wirft sie in den Papiereimer neben seinem Tisch.

                           CÉLINE (OFF)
“Sie besaßen das Passwort zu meiner eMail-Adresse. Sie besaßen alles. Sie besaßen mich…”

Wir sehen, wie Damian ein etwas älteres Blatt Papier vor sich auffaltet und etwas in sein Notebook eintippt. Ein Interface baut sich auf dem Bildschirm auf. Damian tippt das Passwort in die Maske ein.

3.1.6.       INT – WOHNZIMMER – DER VERTRAG
Wir sehen Céline in einem langen, rauhen Überzug, der ein wenig wie ein arabischer Burnus aussieht. Sie ist frisch gewaschen und ihre Haare sind nach hinten gekämmt. Sie sitzt vor Damians Arbeitstisch, während der Hausherr ein Blatt Papier über den Tisch schiebt.

                           CÉLINE (OFF)
Der erste Abschnitt des Vertrages lautete, dass mein Name von nun an verboten ist. Ich sollte von nun an, nur noch auf den Namen FEMELLE hören. Außer, man würde mich Hure, Nutte, Drecksfotze oder Sklavenschlampe nennen. Das war aber mehr als Kosenamen gedacht.”

Flavia steht neben Céline und streichelt sie ermunternd auf der Schulter. Céline nimmt den Füller, den man ihr reicht und unterschreibt das Papier.

Flavia nimmt ihr das Blatt aus der Hand, wirft einen Blick darauf und übergibt es schließlich Damian zur Begutachtung. Die Freundlichkeit scheint aus ihren Blicken gewichen zu sein.

                           FLAVIA
“Du hast keinen Besitz. Du hast keine Rechte. Du hast keine Zukunft.”

                           DAMIAN
“Du bist nun unser Eigentum. Wir bestimmen über deinen Körper und über deinen Geist. Wir werden dich benutzen, wir werden dich bestrafen, wir werden dich quälen und wir werden dich missbrauchen. Du bist nun der Gebrauchsgegenstand unserer Lust.”

                           FLAVIA
“Und unserer Launen. Hast du das verstanden, du armselige Fotze?”

                           CÉLINE/FEMELLE
(mit leiser Stimme und einem gesenkten Blick)
“Ja, Herrin.”

FADE OUT

(TO BE CONTINUED…)

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