Die Erpresserin (Teil 2)

Seit zwei Wochen hatte Heike die gesamte Kunden-Datenbank von „Oriolle“ zuhause. Sie verbrachte ganze Abende damit, die Profile durchzugehen. Im Kopf hatte sie ein Venn-Diagramm gebildet, das die Schnittmenge aus drei Gruppen zeigte: 1) Männer die gut aussahen und gut gebaut waren. 2) Männer die verheiratet waren und ein gediegenes Umfeld besaßen. Und 3) Männer, die nur die hübschesten und schlanksten Frauen anbaggerten.

In der Mitte dieses Venn-Diagramms fanden sich schließlich fünf Männer ein, die ihre Präferenzen erfüllten: Markus, Peter, Sven, Stefan und André … Heike hatte begonnen ihre Bilder und die Details ihres heimlichen Sexuallebens auszudrucken und erschuf in kürzester Zeit eine riesige Pinnwand, die vom Boden bis zur Decke reichte. Sie hatte hierzu eine ganze Wand ihres Arbeitszimmers leergeräumt und in fünf Abschnitte unterteilt. Jedem der fünf Männer hatte sie ein Fünftel der Wand gewidmet. Weiter lesen!

Die Erpresserin (Teil 1)

Dies ist die Geschichte einer Erpressung, ausgeführt von einer Frau, die nicht bereit war, hinzunehmen, dass alle Männer sie ignorierten und verarschten. Also nahm sie ihr Schicksal selbst in die Hand. Auf eine etwas merkwürdige Art und Weise.

Heike war nicht dafür bekannt viele Verehrer zu haben. Ihre Nachbarn sahen sie häufig zwischen 18 und 19 Uhr die Treppe zu ihrer Wohnung hochsteigen, langsam und nicht selten etwas ächzend. Heike mochte mit ihren 31 Jahren eine junge Frau sein, doch die überschüssigen Pfunde ließen sie manchmal wie eine alte Frau schlurfen. Vor dem letzten Stockwerk konnte man sie auch schon mal schwer schnaufen hören, wie eine Dampflokomotive.

Auf dem Weg aus der Arbeit machte Heike Halt im Supermarkt und so schleppte sie oft in jeder Hand eine Plastiktüte, gefüllt mit allerlei ungesundem Zeug. Dies war eben ein Kreislauf. Heike war frustriert. Sie träumte von Männern, die sie anbeteten und auf den Händen trugen – doch für beides schien sie zu schwer zu sein. So saß sie abends allein vor dem Fernseher und stopfte sich mit Keksen und Schokolade voll. Und dem unverzichtbaren Nutella. Heike war durchaus etwas klischeehaft. Weiter lesen!