Wir sind was wir sind

Manchmal denke ich mir, es wäre besser, keine Triebe zu haben. Das mag ein komischer Gedanke sein, doch es scheint mir, dass Sex auch nur eine weitere Droge ist. Sie ist nicht verboten, weil es noch niemand geschafft hat Endorphine und Adrenalin auf die Betäubungsmittelliste zu setzen.

Eine Weile versuchte man das Ganze mit moralischen Bedenken zu vergiften, damit die Leute Angst und Scheue vor einem guten Fick haben. Doch ich glaube, das ist der Zeitpunkt, wo es mit der weltweiten Überbevölkerung erst so richtig los ging.

Wenn Endorphine und Sexualhormone Drogen sind, dann entspricht Sex dem Saufen, Kiffen, Line-Ziehen, Schuss-Setzen, oder Acid-Legen. Und der Weg dorthin ist die Beschaffung. Und je mehr jemand versucht, eine Prohibition auf die Droge Endorphin zu setzen, desto mehr mutet der Weg zu einer guten Nummer wie Beschaffungskriminalität. Es dauerte ein paar hundert Jahre, bis das die meisten begriffen haben. Manche kommen da immer noch nicht nach.

Dabei ist das heute alles anders. Erlaubt ist fast alles, außer Schäferhunden, Schafen und Kindern. Manchmal glaube ich, man hat deshalb aufgegeben, Endorphin in die Illegalität zu drängen, weil man erkannt hat, dass es die beste Art ist, alle mit etwas zu beschäftigen, was von keiner bedeutenden Tragweite ist.

Mal ehrlich, ich sitze manchmal da und blicke auf die nächtliche Stadt. Die Autos und die Busse und die Trambahnen, sie alle gleiten auf ihren vorgegebenen leuchtenden Bahnen und ich denke mir, dass vermutlich die Hälfte davon gerade irgendeiner Nummer hinterher driftet, einem Date, einer Affäre. Säßen alle brav daheim, bei ihren Ehepartnern, der Anblick wäre vermutlich weniger hell und lebhaft.

Ich glaube, wenn ich nicht so verfickt wäre, wäre ich sicher ein Astronaut oder ein Staatschef oder zumindest ein renommierter Chirurg geworden. So bin ich gar nichts. Ein Niemand. Aber verdammt gut in der Kiste. Meistens. Ich meine, es gibt Frauen, da könnte ich auch eine Kreuzung aus Rocco Siffredi, Casanova und Rasputin sein, es wäre vergeblich.

Um solche Frauen  versuche ich einen mächtigen Bogen zu machen und würde sie nicht einmal mit einer Zange anfassen. Ich mag lieber die gierigen, die vernachlässigten und die abgenutzten Weiber. Solche, die mich mit jeglichem Bullshit in Ruhe lassen.

„Wie geht es nun weiter, wo wir diesen Punkt erreicht haben?“

Wenn ich das schon höre.

„Halt die Schnauze, du Fotze!“

Nein, ich bin immer ein Gentleman. Und als Fotze bezeichne ich nur Frauen, die darum gebettelt haben, oder gerade nicht im Raum sind.

Aber das bedeutet nicht, dass es mir noch nie durch den Kopf ging, eine Frau mit einem großen Aschenbecher zu erschlagen. Fragen wie: „Vermisst du mich manchmal?“ oder „Hast du an mich über das Wochenende gedacht?“ haben die Fähigkeit mich in die Nähe eines Amoks zu bringen.

Das Problem ist, dass diese Fragen dann meistens von einer Frau kommen, die sich mir zunächst als Schlampe, Hure und geiles Fickstück präsentiert hatte und diese Rolle dann auch mehrere Wochen sehr gut beherrschte. Und dann der Kollaps der Wellenfunktion. Die materiellen Fakten. Wo stehen wir und wohin gehen wir? Die Festlegung des Ortes oder des Impulses.

Ich habe keine Antworten auf solche Fragen.

Ich bin geboren und erschaffen, um in der Präsenz von Huren zu sein. Den echten und unverfälschten Dirnen und Nymphos, die nie auf die Idee kämen, plötzlich ihre Maske abzulegen und mich mit ihren Zukunftsplänen zu verraten. Diese Art von Beständigkeit macht sie zu Göttinnen unter Insekten.

Und das ist, was ich tue. Ich mache Jagd auf Göttinnen.


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