Wut am Holzbock (eine Erinnerung)

In dieser BDSM Geschichte erfahren wir über die Nöte einer Maso-Sklavin zwischen der Sehnsucht nach Schmerz und der Härte der eigenen Grenze. Doch am Ende ist auch ein Augenzwinkern.

Ich bin wütend. So unglaublich wütend. Ich stehe festgebunden an einem Holzbock und versuche, mich auf den nächsten Schlag zu konzentrieren. Keine Chance, es gelingt mir nicht.

Nicht, das mich die Staubfusel da in der Ecke stören würden. Obwohl mein Blick gerade darauf fällt. Nicht, dass ich nicht gerade darüber nachdenke, ob meine Waden, auf denen notgedrungen sich mein Blick richtet, nicht ein wenig schlanker sein könnten.

Nicht, dass mir dazu in logischer Denkfolge prompt der klägliche Inhalt meines Kühlschrankes in den Sinn kommt und ich anfange, in Gedanken meinen nächsten Einkaufszettel zu schreiben.

Nein. Wütend macht mich einfach, wie sehr mein dominanter Gegenspieler meine körperliche Kraft unterschätzt. Wie sehr er in diesem Augenblick missachtet, dass doch mein Gehirn wenigstens seiner Augen beraubt werden sollte. Von einem Knebel ganz zu schweigen. Gezählt habe ich im Kindergarten. Schon damals aus Prinzip und aus der Freude an Provokation falsch. Das ich mich nicht einfach mich von diesem Kinderholzbock losreiße und aufrichte, entspricht nur meiner schrägen Auffassung von Höflichkeit.

Ich will ausgepeitscht werden, ohne Fluchtmöglichkeiten. Ohne eine Ahnung über den nächsten Schlag. Gern auch so trivial wie in einer dieser SM-Geschichten.
Gern auch mit Spuren, die die nächsten Tage überdauern. Besonders gern deswegen, weil mich die Aufschreie der zartbesaiteten Subs so amüsieren.

Nicht, dass ich es nicht immer wieder sage. Ich sollte es schreien.

Ich will fallen. Schwitzen. Die Angst den anderen riechen lassen. Meine Nässe zeigen, die sich einem Spinnennetz gleich, ausdehnen kann und einem den Atem raubt. Meine Muskeln zittern sehen, in dem vergeblichen Wehren. Mich vergessen lassen, wer ich bin. Wo ich herkomme und wohin ich gehen werde. Und den Einkaufszettel sowieso. Meine Wut zeigen. Einem Tier gleichen. Mehr Mensch in diesem Augenblick sein, als jemals zuvor. Abgründe sehen. Verlieren.

Fliegen.

Zwecklos. Es gibt keinen Mut mehr. Grausamkeit und Härte werden gerade dauerwellengeföhnt. Ich richte mich auf, das schlechtgebundene Seil reißt mit einem hässlichen Geräusch.

Und? War es schön?

Mit einem Krachen fliegt der Holzbock in die Glastür. Ups.

Jetzt ja!“, antworte ich, lächle und gehe.

a.n.n.a.

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